Was bleibt übrig, wenn man alles Gegenständliche nimmt?
Was bleibt übrig, wenn man alles Gegenständliche wegnimmt? In diesem Mini-Essay tauche ich ein in die Zwischenräume: Leere, Formlosigkeit, flüchtige Übergänge und das wilde, befreiende Chaos. Abstrakte Kunst ist dabei nicht nur Motiv, sondern ein Spiegel – ein Ort, an dem Identität weicher wird, Kontrolle sich auflöst und Freiheit plötzlich spürbar wird. Für alle, die bereit sind, die bekannten Formen hinter sich zu lassen und sich auf das Unerwartete einzulassen.
1/1/20262 min read


Was bleibt übrig, wenn man alles Gegenständliche nimmt?
Vielleicht nichts.
Oder genau das, was wir sonst ständig übersehen.
Wenn man alles Gegenständliche wegnimmt, bleibt kein Vakuum zurück, sondern ein seltsamer Zustand: etwas zwischen Erwartung und Verweigerung. Eine Art offener Raum, der sich weigert, benannt zu werden. Leere, sagen wir dann. Aber Leere ist ein verdächtig bequemes Wort. Es klingt nach Abwesenheit, nach Mangel. Dabei ist sie oft eher ein Überangebot – an Möglichkeiten, an Projektionen, an Unruhe.
Formlosigkeit ist nicht das Ende der Form. Sie ist ihr Zwischenzustand. Wie Nebel: nicht fest, nicht flüchtig, aber präsent genug, um Orientierung unmöglich zu machen. In der Abstraktion taucht man genau dort ein – in diesen Schwebezustand, in dem nichts mehr eindeutig ist, aber alles offen.
Identität wird an diesem Punkt nervös.
Ohne Gegenstand kein Spiegel, ohne Spiegel keine klare Kontur. Wer sind wir, wenn wir nicht sagen können: das bin ich oder das gehört mir? Vielleicht bleiben nur Bewegungen übrig. Tendenzen. Ein leises Ziehen in eine Richtung, das sich nicht erklären lässt. Identität als Übergang – nicht als Besitz.
Übergänge werden ohnehin unterschätzt. Wir feiern Anfänge, wir romantisieren Enden. Aber das Dazwischen? Das ist unbequem. Es hat keinen Namen, kein Versprechen. Und genau deshalb ist es frei. Freiheit ist selten ein Triumph. Meist ist sie ein Zustand leichter Desorientierung. Man weiß nicht mehr, woran man sich halten soll – und merkt plötzlich, dass man bisher vielleicht zu viel festgehalten hat.
Chaos hat in diesem Kontext einen schlechten Ruf. Dabei ist Chaos oft nur Ordnung, die wir noch nicht verstehen. Oder nicht verstehen wollen. Wenn alles Gegenständliche verschwindet, fällt auch die Hierarchie. Nichts ist wichtiger als etwas anderes. Alles darf gleichzeitig existieren, widersprüchlich, unfertig, offen.
Und vielleicht ist das der eigentliche Punkt:
Abstraktion nimmt uns nicht die Welt weg. Sie nimmt uns nur die Illusion, sie im Griff zu haben.
Was bleibt, ist kein leeres Feld, sondern ein Raum zum Denken, Fühlen, Verlieren und Neu-Anordnen. Ein Ort, an dem man sich nicht festhalten kann – aber auch nicht festgelegt wird.
Und ehrlich gesagt:
Ich finde das ziemlich beruhigend.
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Abstrakte Malerei für Menschen, die Tiefe und Schönheit im Unwiederholbaren suchen.
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