Ist Kunst ein Fehler im System?

In diesem Blogbeitrag geht es um Kunst als Störung im reibungslosen Ablauf des Alltags. Der Text betrachtet abstrakte Kunst nicht als Erklärung oder Spiegel der Welt, sondern als Glitch: einen Moment, in dem Logik, Funktionieren und Gewissheit kurz aussetzen. Kunst wird hier als Riss verstanden – als Einladung, Unsicherheit zuzulassen und Realität nicht als festes System, sondern als offenes Arrangement zu begreifen. Philosophisch, frei, poetisch – und bewusst unperfekt.

1/15/20262 min read

Vielleicht ist Kunst kein Kommentar zur Welt.
Vielleicht ist sie auch kein Spiegel, kein Statement, kein Produkt.
Vielleicht ist sie einfach ein Fehler. Ein Glitch. Ein Moment, in dem das System Realität kurz stolpert.

Der Alltag funktioniert erstaunlich gut. Dinge haben Namen, Abläufe Sinn, Erwartungen ihre Ordnung. Wir wissen, wie man sich darin bewegt. Realität ist effizient. Und genau darin liegt ihr Problem: Sie lässt kaum Raum für Zweifel.

Kunst unterbricht das.
Nicht laut, nicht immer sichtbar – aber spürbar. Sie fügt etwas ein, das sich weigert, logisch zu sein. Ein Bild, das nichts erklärt. Eine Form, die keine Aufgabe hat. Farbe, die nicht optimiert ist. Kunst ist der Riss, durch den Unsicherheit einsickert. Und plötzlich funktioniert die Welt nicht mehr ganz so reibungslos.

Ein Glitch ist kein vollständiger Zusammenbruch. Er ist klein. Kurz. Irritierend. Er zwingt uns, hinzusehen. Genau das tut Kunst. Sie stört, ohne zu zerstören. Sie macht nichts kaputt – außer die Gewissheit, dass alles so bleiben muss, wie es ist.

Ich mag diese Störungen.
Sie erinnern mich daran, dass Realität kein Naturgesetz ist, sondern ein Arrangement. Etwas Gemachtes. Und alles Gemachte kann anders gemacht werden. Kunst zeigt das nicht mit Argumenten, sondern mit Präsenz. Sie steht einfach da und sagt: So könnte es auch sein.

Abstraktion verstärkt diesen Effekt. Ohne Gegenstand fehlt der Anker. Keine Geschichte, keine Figur, keine eindeutige Lesart. Der Blick sucht Halt – und findet keinen. Das ist kein Mangel. Das ist Freiheit. Für einen kurzen Moment dürfen wir aufhören, die Welt richtig zu lesen. Wir dürfen uns verirren, ohne uns erklären zu müssen.

Vielleicht ist Schönheit in diesem Zusammenhang kein Ziel, sondern ein Nebenprodukt. Sie entsteht dort, wo Unvorhergesehenes Platz bekommt. Schönheit als Störung.

Wenn Kunst ein Fehler im System ist, dann ist sie ein notwendiger.
Ein freundlicher Defekt. Ein Riss, durch den Luft kommt. Sie erinnert uns daran, dass Realität nicht geschlossen ist. Dass sie Spielraum hat. Dass wir nicht alles verstehen müssen, um etwas zu erleben.

Und vielleicht ist das genug.
Ein kleiner Glitch im Alltag.
Ein Moment, in dem die Welt kurz flackert – und wir merken, dass sie auch anders sein könnte.

Wenn dich dieser Systemfehler nicht mehr loslässt, findest du hier Kunstwerke, die genau dort entstehen: im Riss zwischen Ordnung und Freiheit.