The Painting You Don't Like Might Be the One You Need

Ein Bild gefällt uns oder es gefällt uns nicht. Doch was passiert, wenn wir bei der Ablehnung nicht sofort weitergehen? Manchmal ist gerade der Widerstand gegen ein Kunstwerk aufschlussreicher als Begeisterung. Denn was uns irritiert, fordert nicht nur unsere Sehgewohnheiten heraus, sondern kann etwas in uns sichtbar machen, das wir bisher nicht sehen wollten.

9/24/20262 min read

Es gibt Bilder, die man ansieht und sofort mag.

Keine Fragen. Kein Widerstand.
Ein kurzer Blick genügt: Das gefällt mir.

Und dann gibt es diese anderen.

Bilder, die irritieren. Die stören. Die sich nicht sofort einordnen lassen. Vielleicht sind sie zu chaotisch, zu dunkel, zu laut oder einfach zu fremd für das eigene Auge.

Die erste Reaktion ist oft erstaunlich eindeutig:

Das ist nichts für mich!

Aber was passiert eigentlich, wenn wir nicht wegsehen?

Ein Bild, das uns nicht sofort anspricht, zeigt uns, wie bereit wir sind, uns auf etwas Unbekanntes einzulassen. Bleiben wir davor stehen und geben ihm die Chance, uns etwas Neues zu zeigen? Oder wenden wir uns schnellstmöglich ab, weil es nicht in das passt, was wir gewohnt sind?

Für mich liegt darin eine beachtenswerte Aufgabe von Kunst verborgen.

Sie muss nicht immer gefallen.

Manchmal muss sie Widerstand erzeugen.

Ein ungewohntes Bild fordert unser Gehirn heraus. Es passt nicht zu unseren Sehgewohnheiten und verlangt deshalb mehr von uns als ein vertrautes Motiv, das wir sofort verstehen. Es bringt uns für einen Moment aus unserer Komfortzone.

Und es lehrt uns etwas, das weit über die Kunst hinausgeht:

Nicht alles muss sofort verstanden werden, um eine Chance zu verdienen.

Auch im Leben wissen wir nicht immer, warum etwas geschieht. Wir verstehen nicht jeden Menschen, jede Situation, jede Wendung. Die entscheidende Frage ist dann, ob wir neugierig bleiben oder etwas vorschnell mit den Worten abtun:

Das ist nichts für mich.

Besonders interessant wird es, wenn ein Bild Gefühle auslöst, die wir nicht erwartet haben.

Ein chaotisches Bild kann uns aufwühlen. Vielleicht, weil wir uns gerade nach mehr Struktur und Ruhe sehnen. Ein dunkles Bild kann uns bedrücken. Vielleicht, weil es etwas berührt, dem wir momentan lieber ausweichen würden.

Das Bild weiss nichts über uns.

Aber wir wissen plötzlich etwas über uns.

Ablehnung stellt Fragen.

Warum wühlt mich dieses Bild so auf?
Warum möchte ich wegsehen?
Was genau stört mich daran?

Wenn uns ein Bild gefällt, bleibt die Reaktion häufig erstaunlich kurz:

Gefällt mir.

Fertig.

Widerstand hingegen kann ein Gespräch eröffnen. Er kann Debatten auslösen. Menschen beginnen leidenschaftlich darüber zu sprechen, ob etwas überhaupt Kunst sein kann, ob es schön ist, ob es wertvoll ist oder warum es sie so sehr berührt.

Dies ist wahrscheinlich einer der Gründe, warum gerade Werke, die auf grossen Widerstand stiessen, die Kunstgeschichte immer wieder verändert haben. Sie wurden diskutiert, abgelehnt, verspottet oder schlicht nicht verstanden. Aber sie wurden nicht ignoriert.

Man sprach über sie.

Und manchmal ist genau das der Beginn von Veränderung.

Ich empfinde Kunst, die wir ablehnen, deshalb besonders interessant. Für mich kann sie wie ein Signal des Unterbewusstseins wirken. Etwas, das schon lange in uns arbeitet, aber bisher keine Sprache gefunden hat, taucht plötzlich vor uns auf.

Nicht unbedingt als Antwort.

Sondern als Störung.

Ich finde es spannend zu beobachten, welche Reaktionen meine eigenen Bilder manchmal auslösen. Besonders freue ich mich, wenn ein Bild die Gefühlswelt auf den Tisch bringt.

Einmal sagte jemand vor einem meiner Werke:

„Ich kann nicht mehr hinsehen.“

Die Wirkung des Bildes war offensichtlich intensiv.

Und das Interessante daran?

Für mich war das Bild eher langweilig.

Genau darin liegt die Schönheit abstrakter Kunst.

Das Bild ist nicht nur das, was der Künstler hineingibt.

Es wird auch zu dem, was der Betrachter darin findet.

Und manchmal ist das, was wir nicht mögen, nicht das Bild, das wir nicht brauchen.

Sondern das Bild, das uns etwas zeigt, dem wir bisher ausgewichen sind.

Etwas, das wir längst hätten sehen können, aber nicht sehen wollten.

Abstrakte Malerei für Menschen, die Tiefe und Schönheit im Unwiederholbaren suchen.

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